„Es war einmal mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab, da saß eine Königin an einem Fenster, das einen Rahmen von schwarzem Ebenholz hatte, und nähte. Und wie sie so nähte und nach dem Schnee aufblickte, stach sie sich mit der Nadel in den Finger, und es fielen drei Tropfen Blut in den Schnee. Und weil das Rote im weißen Schnee so schön aussah, dachte sie bei sich: Hätt ich ein Kind so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie das Holz and den Rahmen. Bald darauf bekam sie ein Töchterlein, das war so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz, und ward darum „Sneewittchen“ (Schneeweißchen) genannt.“(vgl. Sneewittchen in: „Die Märchen der Brüder Grimm“, Goldmann Verlag, Berlin, o.J., S.189)

Schneewittchen hatte ein wunderbares Leben bis ihr Vermieter eines Tages einen Anwalt rief und sprach: „Treib das Kind in den Wahnsinn, ich will’s nicht mehr vor meinen Augen sehen. Du sollst es mit Briefen überhäufen und grundlos werde ich es anschreien. Du sollst es für immer aus meiner Wohnung vertreiben und mir seine Nerven als Wahrzeichen mitbringen.“ Der Anwalt gehorchte, trieb das Kind in den Wahnsinn, und als er gerade die Nerven durchsägen wollte, fing es an zu weinen und sprach: „Ach, lieber Anwalt, lass mir meine Nerven; ich will in die Stadt laufen und nimmermehr wieder heimkommen.“ Und weil es so schön war -und außerdem einen viel besseren Anwalt hatte- hatte er Mitleid und sprach: „So lauf hin, du armes Kind.“ Und als gerade der Vater des Kindes und dessen Freundin dahergesprungen kamen, brachte er einfach ihre Nerven als Wahrzeichen dem Vermieter mit. (Diese zogen daraufhin auch in die Stadt)
Nun war das arme Kind in der großen Stadt mutterseelig allein, und ward ihm so angst, dass es alle Fenster an den Häusern ansah und nicht wusste, wie es sich helfen sollte. Da traf es auf zwei gute Geister, mit Namen Phuka und Doane Shi. Sie wurden sofort Freunde und fanden kurz darauf noch 10 andere ihrer Sorte.


Nach vielen gemeinsamen Abenteuern, Höhen und Tiefen, Freudentränen und einfach nur Tränen, mussten die guten Geister Schneewittchen verlassen. Doane Shi und die Meerelfe flogen zurück nach Schottland, Phuka, Banshi und Cluricaun begaben sich auf ihre Reise nach Irland, Br’er Rabbit wanderte für einige Zeit nach Spanien aus und die Zwerge verschwanden im regnerischen England. Als das Schneewittchen nun so ganz allein hinter den sieben Bergen war, packte es seine Koffer und begab sich in den hohen Norden um dort seine Familie, mütterlicherseits, zu besuchen. Vater Grimm war darüber nicht besonders erfreut, wünschte ihm aber dennoch eine gute Reise und schickte es mit gebrochenem Herzen in sein großes Abenteuer. Etwas schwer war es auch dem Schneewittchen ums Herzen, aber es freute sich auf ein Wiedersehen mit der Familie Lindgren.
Und wenn Ihr wissen wollt, wie es ihm ergeht, dann schleicht auf Zehenspitzen in den Nebenraum, da findet gerade eine Märchenstunde statt. Vielleicht wird euch ja etwas von Snövits Reise erzählt.